Highlights des Jahres bei Ski & Berg : Watzmann im Doppelpack, 14. September 2016

Watzmann Überschreitung
Ein lang gehegter Traum wird wahr für Willi, der, begleitet vom Peter, sich am 14. September bei
strahlendem Wetter zum Königsee aufmacht, um die Überschreitung der drei Watzmanngipfel
anzugehen. Die größte Schwierigkeit tut sich gleich zu Beginn auf, nämlich an Münzen für den
Parkautomat zu gelangen. Aber, Ernst beiseite, nach der Schifferlfahrt nach St. Bartholomä mit
obligater Trompeten- und Echoeinlage begeben wir uns auf den Rinkendlsteig, der gemächlich
entlang des Sees beginnend, sich im weiteren beständig aufwärts zieht. Später steilt er auf und ist in
den ausgesetzteren Passagen auch schon mal drahtseilversichert. Über die Archenkanzel, einen
Top- Aussichtspunkt über dem Königsee geht’s weiter zur Kührointalm, wo wir uns als ausgebuffte
Ausdauersportler erweisen, indem wir uns mit allseits bekannten isotonischen Kaltgetränken
remineralisieren. Noch weitere zwei Stunden durch den Hochwald unterhalb des nördlichen Teils der
Watzmann- Ostwand dauert es, bis wir das Watzmannhaus erreichen.

Aufbruch am nächsten Tag ist um 7:00 morgens inmitten einer langen Karawane von anderen
Watzmann- Gehern. Angekommen am Hocheck liegen die ersten Drahtseilpassagen schon hinter
uns. Willi legt historische Ausrüstung an, die ihm im weiteren Tagesverlauf noch manch
bewundernde Blicke und Kommentare bis hin zu Kaufangeboten einbringt, während Peter „free solo“
bleibt. Dann wird’s ernst. Mit Blick auf alle drei Gipfel führen Drahtseile u. altertümliche
Eisenversicherungen auf den Grat hinaus, um Türme herum, durch Rinnen, auf Eisenstiften hinauf,
zwischen Blöcken hinab. Gelegentlich fordern ausgesetzte Passagen schon einmal eine eigene
Seilsicherung, dann wieder gewinnt man auf breiten Bändern Höhe. Schnell ist der Mittelgipfel
erreicht, zweites Frühstück ist angesagt. Obwohl die Südspitze nicht wirklich weiter entfernt aussieht,
kommt jetzt der anspruchsvollere Teil. Weiter in stetem Wechsel der Anforderungen geht es über
Zacken, Platten, Pfeiler und Bänder weit hinunter in eine große Scharte – aber eben auf der anderen
Seite genauso wieder hoch, sogar noch ein bisschen höher. Mittags auf dem Südgipfel gibt’s das
große Glücksgefühl, es geschafft zu haben, die Flugshow der Dohlen und a g’scheite Brotzeit. Keine
Wolke steht am Himmel, der Planet brennt herunter, die Sicht ist traumhaft.

Man sollte aufhören, wenn’s am schönsten ist. Leider klappt das am Berg nie, der Abstieg liegt noch
vor uns. Und was für einer. Steil, geröllig, splittrig, sandig und gefühlt ohne Ende kostet er Kraft und
Geduld, bevor wir den Talboden erreichen. Zwanzig Minuten noch bis zur Wimbachgrieshütte, dort
ein Bier und Abendessen. Als letzte Großtat noch mal zwei Stunden talauswärts zum Auto, das wir
dann um 9:00 abends erreichen. Ein langer anstrengender Tag ist zu Ende, aber eine sicherlich
vollauf befriedigende Tour, ein Bergerlebnis der Extraklasse, gell Willi?

Watzmann Ostwand
Eineinhalb Wochen später, wiederum Abtlg. Träume. Thomas, Peter und Wannee machen sich
erneut auf zum Watzmann. Die Ostwand soll es sein! Übernachtung im ausgebuchten Ostwandlager
in St. Bartholomä. Nach Abzug der Tagesgäste ist es lauschig und ruhig, aber die Spannung ist fast
mit Händen zu greifen.

Am 25.09. um 5:00 ist allgemeiner Aufbruch Richtung „Eiskapelle“ und die lange Kette der Lichter der Stirnlampen zieht sich hoch zum Einstieg. Dort dämmerts, die Gipfelzacken kriegen schon Sonne. Unten legen die meisten noch Helm und Klettergurt an und los geht’s mit der Steigerei: Schuttkar, erster Sporn, zweiter Sporn, erste Trink- und Riegelpause, Wasserfallwand, die ersten Steine prasseln herunter, Rinnen, Rampen, Platten, Querungen, kaum jemals ein Haken, Biwakhöhlen, Schluchten, endlich die Brotzeitwiese. Ausgiebige Rast, wir liegen gut in der Zeit.

Aufbruch, steiler aufwärts ab hier, nie schwerer als II+ bisher, das Seil immer noch ungebraucht im Rucksack. Links rüber, rechts queren, zwischen den Blöcken durch, immer wieder auf’s Topo geschaut, welche Kante ist gemeint? Herrschaft, welche der vielen Rinnen nehmen wir, die dort mit wenig Geröll! Ist das jetzt schon die Gipfelschlucht? Eine schöne Kante, gut zu klettern, zieht gerade nach oben – holla, da leuchtet’s orange – die Biwakschachtel. Halleluja, jetzt wird die Orientierung einfacher, Endspurt ist angesagt. Erst noch Trink- und Fotopause.

Los geht’s, raus auf’s gruselig nach aussen abfallende aber komfortabel breite und ansteigende Band, dann senkrecht hoch über gestuftes Blockwerk bis zum Beginn der Ausstiegskamine. Kontinuierliches endloses genussvolles Klettern, die Lungen pumpen, die Wadln brennen. Aus einer erdigen Einsattelung ist der Grat, der von der Mittelspitze herüber zieht schräg voraus sichtbar, voller Klettersteiggeher. Die Tiefe saugt, die Schlüsselstelle III+ liegt vor uns, ein kurzer senkrechter Aufschwung, total abgespeckt, kräftig hinlangen, hochstemmen, durchdrücken, drüber, eine kleine Querung noch, die letzte kaminartige Rinne hoch, auf den Grat, 20m noch am Weg, Südspitze. Geschafft!

 

Große Freude, die Anspannung fällt ab. Essenspause, Sonne pur, wieder keine Wolke, nur der Wind bringt schon einen Hauch Schneekälte. Aufbruch und Abstieg über den langen Grat zum Watzmannhaus. Ein guter vorläufiger Saisonabschluß!

In Zahlen: ca. 2500 hm, 12 Std. unterwegs, 9 Std. reine Gehzeit

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