Im Untergrund von München, 26. März 2009

oder
„Auf den Spuren des Münchners, Max von Pettenkofer, Altmeister der
Hygiene und der Kanalisierung unserer Landeshauptstadt “

Die Kanalisation, das unterirdische Reinigungssystem einer Stadt, erregt seit jeher Gefühle,
die von Abneigung, Ekel oder gar Furcht bestimmt sind. Die Vorstellung, in diese finstere
Welt der Abwässer und Fäkalien einzudringen, löst unwillkürlich Schaudern und Befremden,
aber auch Neugier und Interesse aus. Einen kleinen Einblick in diese wenig erforschte
Unterwelt des 2400 km langen Kanalnetzes in München mit seinen 35.000 Einsteigschächten
soll unser Besuch bei den „Kanalern Münchens“ am 26. März 2009 geben.
Um 10 Uhr treffen wir an der U-Haltestelle Gern Herrn Tax, leitender Mitarbeiter der
Münchner Stadtentwässerungswerke und gleichzeitig unser Führer durch den Münchner
Untergrund. Dort steigen wir über eine Treppe in einen Schacht ein, der zum
Abwasserkanal
führt.

Abwasserkanal

Der Besichtigungsplatz ist zur Sicherheit gereinigt. Entsprechende Geländer sind angebracht.
Da z. Zt. Winter und der Kanal wenig gefüllt ist, wirkt der Kanal erstaunlich geruchsarm.
Herr Tax berichtet über die Historie der Kanalisierung:
Als im Jahre 1854 in München die Cholera ausbricht und neben 3000 Menschen auch die
Königin Therese daran stirbt, beauftragt die Regierung von Oberbayern die Stadt München,
eine neue Kanalisierung zu bauen. Dieses Projekt wird 1855 von Max von Pettenkofer als
Arzt und „Kanalbauexperte“ gemeinsam mit dem Stadtbaurat Arnold Zenetti und dem
Bürgermeister Alois Erhardt geplant. Nach den Hygieneregeln von Pettenkofer wird die
Entwässerung so perfekt durchgeführt, dass die nachfolgenden Generationen von der
damaligen Planung und hochwertigen Bauqualität bis zum heutigen Tag profitieren.
Schon zur damaligen Zeit hat die Stadt München auf sein Anraten hin in Großlappen ein
großes Grundstück gekauft, um dort später eine Kläranlage zu bauen. Auch hat er
Regenauffangbecken bauen lassen.
Dazu gehörte auch, dass jeder Metzger seine Abfälle nicht mehr in der öffentlichen
Kanalisierung entsorgen durfte, sondern dafür den neu errichteten Schlachthof benutzen
musste.
Weiter erklärt Herr Tax die Technik des Kanalbaues zur damaligen Zeit und bittet um
Verständnis für ev. Behinderungen in der Stadt, wenn notwendigen Arbeiten oder
Reparaturen von den Kanalreinigern durchzuführen sind, um den hohen Qualitätsstandard der
Kanalisationsanlagen auch für die Zukunft zu garantieren.
Selbstverständlich fehlen die Hinweise nicht, das jeglicher Abfall nicht über die Kanalisation
ersorgt werden darf.
Unsere interessante, aber weniger attraktive Aussicht auf den Abwasserbach endet und die
Gruppe klettert aus dem Schacht. Wir wandern zurück zur U-Bahn Station Gern und fahren
zur S-Bahnhaltestelle Laim. Dort marschieren wir 10 Min. zum Einstieg in die
Regenrückhalteanlagen
an der Winfriedstr./Ecke de La Paz Str.

Regenrückhalteanlagen

Wir klettern über Treppen 5 m tief in das oberste Regenauffangbecken und werden von zwei
nebeneinander liegenden Sälen mit vielen Betonsäulen und kleinen Kanälen überrascht. Beide
Säle messen zusammen 210 m Länge und sind 36 m breit. Die tolle Akustik lässt uns jodeln
und juchzen. Anschließend steigen wir ein Stock tiefer, um eine gleiche, noch größere Halle
zu bestaunen. Beide Stockwerke sind zusammen insgesamt 16 m hoch.
Diese Anlage hat ein Volumen von insgesamt 90.000 ccm. Dies entspricht einer
Wassermenge, mit der sich ein Fußballfeld rund 16 Meter hoch unter Wasser setzen ließe
.
Was sind Regenrückhalteanlagen?
Das Abwasser der 1,3 Millionen Münchner Bürger und Bürgerinnen sowie 20 Gemeinden aus
der Region wird durch ein rund 2.400 Kilometer langes Kanalnetz entsorgt und den
Klärwerken in Großlappen zugeleitet.
Wie funktioniert ein Regenrückhaltebecken?
Vom Zulaufkanal läuft das Mischwasser bei hohem Wasserstand über eine Betontrennwand in
ein Teilbecken. Ist dieses gefüllt, läuft das Wasser über eine Schwelle in weitere Teilbecken.
Die Entleerung der Becken erfolgt durch das Öffnen eines Schiebers, bei tiefer liegenden
Becken durch Pumpwerke. Durch einen Ablaufkanal wird das Mischwasser dann wieder dem
städtischen Kanalnetz und somit einer Reinigung in den Klärwerken Großlappen zugeführt.
Wir steigen wieder ans Tageslicht und verabschieden uns von Herrn Tax.
Unsere Kulturreferentin Gisela bedankt sich im Namen der gesamten Gruppe bei Herrn Tax
für seine interessante und informative Führung. Aus Arbeitsgründen verabschiedet sich Herr
Tax leider, obwohl wir noch so viele Fragen hätten. Bevor er uns endgültig verlässt,
überreicht er uns noch seine äußerst begehrte, lehrreiche und interessante Brochure „Im
Untergrund von München“.
Unsere gemischte Gruppe bestehend aus 29 Ski- und Bergsportlerinnen und Sportlern aus
Ottobrunn und Putzbrunn marschieren nach der eindrucksvollen Tour zum Gasthof
Hirschgarten. Hier nehmen wir wohlverdientes Manna zu uns und Frohlocken wieder.
Nach dem Frohlocken ehrt und bedankt sich Gabi Kassier bei unserer Referentin Gisela für
ihre langjährige, interessante und erfolgreiche Zeit als Kulturreferentin des TSV Ottobrunn.
Fragen an den geneigten Leser:
Wo steht das Denkmal von Max von Pettenkofer?
Auf das Denkmal welcher Person blickt er?
Wo befinden sich die Grabstätten beider Personen?
Günter

Kommentare sind geschlossen